Unternehmensnachfolge und Unternehmensbewertung

Vor einigen Wochen berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) über die Unternehmensnachfolge bei Europas größtem Schuhhändler, der Firma Deichmann in Essen.
Dort ist mit dem 27-jährigen Samuel Deichmann ein Vertreter der vierten Generation in die Führung des Unternehmens eingetreten.

 

Unternehmensnachfolge in Deutschland

In den kommenden beiden Jahren steht bei ca. 260.000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland die Übergabe an die Unternehmensnachfolger an. Bei kleinen und mittleren Unternehmen betrifft die Unternehmensnachfolge in der Regel nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch das Eigentum am Unternehmen. Unabhängig davon, ob die Unternehmensnachfolge familienintern erfolgt
oder nicht, ist die Bestimmung des Unternehmenswerts deshalb ein zentraler Bestandteil der Übergabe.
Eine Unternehmensbewertung ist somit im Prozess der Übertragung unerlässlich.

Gemäß dem „Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2020“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zählt das Finanzrisiko zu den am meisten wahrgenommen Schwierigkeiten bei Übernahmen und Neugründungen. Insbesondere bei Übernahmen spielt die finanzielle Belastung eine Rolle.
Können Neugründungen häufig ohne oder mit geringen Beträgen (bis 10.000,- EUR) finanziert werden, erfordern Übernahmen in ca. 23 % der Fälle ein Finanzierungsvolumen von mehr als 50.000,- EUR.
Eine Unternehmensbewertung stellt deshalb eine notwendige Voraussetzung dar, das finanzielle Risiko einer Übernahme zu bestimmen.

Allerdings haben die Folgen der Corona-Pandemie auch einen deutlichen Einfluss auf die aktuellen Nachfolgebemühungen. So haben sich laut der KfW auf der Seite www.nexxt-change.de (eine Nachfolgebörse, die von Bundesministerien, Kammern und Banken getragen wird) die Inserate im Verlauf des Jahres 2020 deutlich verringert. Auch der DIHK-Report 2020 vermeldet einen Rückgang der Beratungen im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge.

 

Wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge

Die Industrie- und Handelskammern empfehlen, spätestens drei Jahre vor der Übergabe mit der konkreten Nachfolgesuche zu beginnen. Da insbesondere betriebswirtschaftliche (strategische Ausrichtung des Unternehmens) und rechtliche (Änderung Rechtsform, Erbverträge, usw.)
Fragen zu klären sind, ist eine entsprechende Dauer des Übergabeprozesses zu erwarten.
Hierbei sind auch steuerliche Fragen u.a. im Hinblick auf erbschaftssteuerliche oder schenkungssteuerliche Auswirkungen zu beantworten.

Einen der entscheidenden Aspekte im Zusammenhang mit den Regelungen zur Unternehmensnachfolge stellt der Wert des zu übertragenden Unternehmens dar.
Meistens unterscheiden sich die Vorstellungen des Übergebers (nach jahrzehntelanger Aufbauarbeit) deutlich von den Werteinschätzungen der potentiellen Übernehmer.
Auch bei familieninternen Übergaben sind sachgerechte und  nachvollziehbare Unternehmenswerte für einen reibungslosen Übergang notwendig.

 

Unternehmensbewertung

In Deutschland orientiert sich die Bewertungspraxis an den vom Institut der Wirtschaftsprüfer herausgegebenen Bewertungsgrundsätzen gemäß IDW S 1. Hierbei wird mit Hilfe fundamentalanalytischer Wertermittlungs-
methoden auf der Grundlage der Unternehmenszahlen ein
Zukunftserfolgswert berechnet wird (bspw. mit Hilfe des Ertragswertverfahrens).
Daneben kann auch das vereinfachte Ertragswertverfahren nach § 199 Bewertungsgesetz angewendet werden. Dieses Verfahren ist für steuerliche Zwecke zur Bewertung von Einzelunternehmen, Personengesellschaften, nicht notierten Anteilen von Kapitalgesellschaften und Betriebsvermögen der freien Berufe vorgesehen.

Die durch die Corona-Pandemie verursachten Unsicherheiten betreffen bei der Unternehmensbewertung einerseits die Schätzung der zukünftigen Erträge und andererseits die Bestimmung einer sachgerechten Risikoprämie innerhalb des Kapitalisierungszinssatzes.
Siehe hierzu auch unsere Ausführungen vom 04.08.2020.

Die Bestimmung des Unternehmenswerts im Rahmen der Unternehmensnachfolge sollte objektiv, nachvollziehbar und damit belastbar erfolgen. Die Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen haben
nicht die Möglichkeit, den Wert ihres Unternehmens am Börsenkurs abzulesen.

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COVID-19: Unternehmensbewertung

Die Corona-Pandemie verursachte u.a. eine weltweite Talfahrt der Börsenkurse. So verlor der deutsche Aktienindex DAX zwischen dem 20. Februar und dem 18. März ca. 5.000 Punkte. Im weiteren Verlauf erholten sich die Aktienmärkte zwar wieder, doch es bleibt die Frage, welchen nachhaltigen Einfluss auf die Bewertung von Unternehmen und damit auch auf die Börsenkurse diese Pandemie hat.

In Deutschland orientiert sich die Bewertungspraxis an den vom Institut der Wirtschaftsprüfer herausgegebenen Bewertungsgrundsätzen IDW S 1. Aus diesem Grund hat sich der Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) des IDW mit einem fachlichen Hinweis zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bewertung von Unternehmen an die Bewertungspraxis gewandt.

Zunächst weist der IDW darauf hin, dass Unternehmensbewertungen nach den Grundsätzen des IDW S 1 auf fundamentalanalytischen Wertermittlungsmethoden basieren, bei denen auf der Grundlage der Unternehmenszahlen ein Zukunftserfolgswert berechnet wird (bspw. Ertragswertverfahren). Börsenkurse seien dagegen Preise für einzelne Wertpapiere, die auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage ermittelt werden.

Die durch die Corona-Pandemie verursachten Unsicherheiten betreffen bei der Unternehmensbewertung einerseits die Schätzung der zukünftigen Erträge und andererseits die Bestimmung einer sachgerechten Risikoprämie innerhalb des Kapitalisierungszinssatzes.

Hinsichtlich der (negativen) Effekte auf die Ertragslage der Unternehmen weist der FAUB darauf hin, dass diese je nach Branche und Geschäftsmodell unterschiedlich ausfallen können und dass eine Prognose zur Dauer dieser negativen Effekte aktuell noch nicht abgegeben werden kann. Darüber hinaus weist der FAUB darauf hin, dass vorübergehende Effekte auch langfristig negative Folgen haben können.

In Bezug auf die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie thematisiert der FAUB auch die sich bereits vorher im Umbruch befindliche globalisierte Welt. Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie waren traditionelle Geschäftsmodelle in Frage gestellt worden. Der FAUB geht davon aus, dass Unternehmen nach der Krise in vielen Fällen nicht mehr auf dieselbe Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen treffen werden und nicht mehr auf dieselben Beschaffungsketten zugreifen können. Aus diesem Grund sei in jedem einzelnen Bewertungsfall zu analysieren, ob und inwieweit die Geschäftspläne aus der Vor-Krisen-Zeit zugrunde gelegt werden können oder angepasst werden müssen. Gegebenenfalls sind deshalb die Unternehmensplanungen anzupassen.

Für die Bestimmung des Kapitalisierungszinses sieht der FAUB bisher keine Gründe, eine Änderung an der Methodik zur Ableitung des Kapitalisierungszinses vorzunehmen. Laut FAUB orientiert sich der Kapitalisierungszins auch in einer Krise an langfristigen Renditen in einer Größenordnung von 7 bis 9 % nach Unternehmenssteuern und vor persönlichen Steuern.

Diesen fachlichen Hinweis veröffentlichte der FAUB am 25.03.2020. Es ist davon auszugehen, dass der FAUB hinsichtlich der Auswirkungen der Corona-Pandemie weitere fachliche Hinweise veröffentlichen wird. Der FAUB ist neben der Beobachtung der weiteren Entwicklung in Bezug auf die Corona-Pandemie auch in einem weiteren Punkt gefordert: Behandlung negativer Basiszinssätze im Rahmen einer Unternehmensbewertung. Denn erstmals wurde zum 01.06.2020 ein negativer Basiszinssatz von gerundet -0,10 % berechnet. Ein negativer Basiszins bedeutet, dass bei gegebener Marktrendite die Marktrisikoprämie (zumindest rechnerisch) höher wäre als die Marktrendite. Wie diesbezüglich im Rahmen der Ermittlung von objektivierten Unternehmenswerten verfahren werden soll, sollte vom FAUB möglichst zeitnah erläutert werden.

Vermögensschaden bei Investition in ein Bordell?

In einem Verfahren vor dem Landgericht L. wurde den Beschuldigten u.a. vorgeworfen, Unternehmensanteile an einem Bordell trotz Wertlosigkeit an einen Investor veräußert zu haben. Die Anklage bezifferte den dadurch entstandenen Vermögensschaden auf einen sechsstelligen Betrag.

Gemäß dem Auftrag des Landgerichts L. war der Wert des Unternehmens im Zeitpunkt des Anteilskaufs zu ermitteln. Weiterlesen