Insolvenzantragspflicht in Pandemiezeiten

Mit Wirkung vom 19.02.2021 wurde das COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz (COVInsAG) vom 27. März 2020 (BGBl. I S. 569) erneut geändert. Die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung ist bis 30.04.2021 ausgesetzt, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. dazu Artikel 10 des Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetzes (SanInsFoG) vom 22. Dezember 2020 (BGBl. I S. 3256)).

Bereits zum 01.01.2021 traten aufgrund Artikel 5 des Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortent-wicklungsgesetzes (SanInsFoG) vom 22. Dezember 2020 (BGBl. I S. 3256) Änderungen verschiedener Einzelnormen der Insolvenzordnung in Kraft.

Im Hinblick auf die Insolvenzantragspflichten wirken sich diese Änderungen durch das SanInsFoG wie folgt aus:

Fristen:

War bislang nach § 15 InsO a.F. sowohl bei Eintritt der Zahlungsunfähigkeit, als auch bei Eintritt der Überschuldung spätestens nach drei Wochen ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen, wird nunmehr zwischen den jeweiligen Eröffnungsgründen differenziert:

  • Bei Eintritt der Zahlungsunfähigkeit ist weiterhin eine Frist von drei Wochen zu beachten.
  • Bei Eintritt der Überschuldung wurde diese Zeitspanne auf sechs Wochen erhöht
    (§ 15a Abs. 1 Satz 2 InsO).

 

Prognosezeiträume:

Erstmals werden in der Insolvenzordnung im Hinblick auf die drohende Zahlungsunfähigkeit und die Überschuldung Prognosezeiträume definiert.

Wird der Insolvenzantrag aufgrund einer drohenden Zahlungsunfähigkeit gestellt, erstreckt sich der Prognosezeitraum demnach auf 24 Monate (§ 18 Abs. 2 InsO).

In Abgrenzung zur drohenden Zahlungsunfähigkeit muss die Fortführung des Unternehmens im Rahmen der Überschuldung in den nächsten 12 Monaten überwiegend wahrscheinlich sein
(§ 19 Abs. 2 Satz 1 InsO).

 

Haftung der antragspflichtigen Mitglieder des Vertretungsorgans und Abwickler einer juristischen Person:

Die Haftung für Zahlungen bei Zahlungsunfähigkeit und / oder Überschuldung wird nunmehr unmittelbar in der Insolvenzordnung unter § 15b InsO geregelt. Zuvor waren Geschäftsführer gemäß § 64 GmbHG zum Ersatz von Zahlungen verpflichtet, wenn diese nach dem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung geleistet wurden bzw. durfte der Vorstand einer Aktiengesellschaft nach § 92 AktG bei Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung keine Zahlungen mehr leisten. 64 GmbHG ist aufgrund des Artikels 16 und § 92 AktG aufgrund des Artikels 15 des Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetzes (SanInsFoG) vom 22. Dezember 2020 BGBl. I S. 3256 m.W.v. 1. Januar 2021 entfallen.

Nach § 15b InsO dürfen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung weiterhin grundsätzlich keine Zahlungen vorgenommen werden, die nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar sind (§ 15b Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 InsO). Nach Ablauf der Insolvenzantragsfristen sind Zahlungen in der Regel nicht mehr mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar (§ 15b Abs. 3 InsO). Liegen solche Zahlungen vor, sind die Antragspflichtigen der juristischen Person zur Erstattung verpflichtet (§ 15b Abs. 4 InsO).

 

Ergänzend zu den dauerhaften Änderungen der Einzelnormen der Insolvenzordnung nach Artikel 5 wurden mit Artikel 10 des Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetzes (SanInsFoG) weitere Maßnahmen hinsichtlich der Insolvenzantragspflicht aufgrund der COVID-19-Pandemie beschlossen.

Insolvenzantragspflicht:

Im Zeitraum 01.03.2020 bis 30.09.2020 war die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrages ausgesetzt, sofern die Insolvenzreife auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruhte. Dies wird vermutet, wenn bis 31.12.2019 keine Zahlungsunfähigkeit vorlag (§ 1 Abs. 1 COVInsAG).

Vom 01.10.2020 bis 31.12.2020 war die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrages aufgrund des Eintritts der Überschuldung ausgesetzt (§ 1 Abs. 2 COVInsAG). Das heißt, bei Vorliegen der Zahlungsunfähigkeit bestand im Zeitraum 01.10.2020 bis 31.12.2020 wieder die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrages.

Aktuell ist die Insolvenzantragspflicht sowohl bei Vorliegen der Zahlungsunfähigkeit als auch der Überschuldung im Zeitraum 01.01.2021 bis 30.04.2021 für solche Schuldner ausgesetzt, die im Zeitraum 01.11.2020 bis 28.02.2021 einen Antrag auf die Gewährung finanzieller Hilfeleistungen im Rahmen staatlicher Hilfsprogramme zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie gestellt haben, bzw. antragsberechtigt waren und aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen eine Antragstellung innerhalb des genannten Zeitraumes nicht möglich war. Dies gilt jedoch nur für Unternehmen, die Aussicht auf Erlangung der Hilfeleistung haben bzw. bei denen die Auszahlung der Hilfeleistung ausreicht, um die Insolvenzreife zu beseitigen (§ 1 Abs. 3 COVInsAG).

 

Prognosezeiträume:

Abweichend zu § 19 Abs.2 Satz 1 InsO n.F., wonach sich der Prognosezeitraum bei Überschuldung auf 12 Monate erstreckt, ist nach § 4 Satz 1 COVInsAG im Jahr 2021 ein Prognosezeitraum von lediglich 4 Monaten zu Grunde zu legen, sofern die Überschuldung auf die COVID-19-Pandemie zurückzuführen ist.

Dies ist anzunehmen, wenn der Schuldner am 31.12.2019 nicht zahlungsunfähig war, in dem letzten, vor dem 01.01.2020 abgeschlossenen Geschäftsjahr ein positives Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwirtschaftet hat und der Umsatz der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im Kalenderjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 % eingebrochen ist (§ 4 Satz 2 COVInsAG).

 

Haftung:

Analog zu § 15b InsO gelten Zahlungen, die im ordnungsgemäßen Geschäftsgang erfolgen, nach § 2 COVInsAG Abs. 1 Nr. 1 als mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar.

Darüber hinaus wurden in den folgenden Nr. 2 bis Nr. 5 des § 2 COVInsAG auch die Haftungsrisiken der Kreditgeber und Gläubiger (zeitlich befristet) abgemildert.

 

Fazit:

Bis 30.04.2021 ist die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrages sowohl für den Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit als auch der Überschuldung ausgesetzt, sofern im Zeitraum 01.11.2020 bis 28.02.2021 ein Antrag auf die Gewährung finanzieller Hilfeleistungen im Rahmen staatlicher Hilfsprogramme zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie gestellt wurde, bzw. die Antragsberechtigung vorlag und aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen eine Antragstellung innerhalb des genannten Zeitraumes nicht möglich war. Die in Aussicht stehende Hilfeleistung muss jedoch ausreichen, um die Insolvenzreife zu beseitigen.

Aufgrund der schleppenden Auszahlungen der Hilfeleistungen ist nicht auszuschließen, dass diese Regelung auch nach dem 30.04.2021 erneut zur Verlängerung gelangen könnte.

Unternehmensnachfolge und Unternehmensbewertung

Vor einigen Wochen berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) über die Unternehmensnachfolge bei Europas größtem Schuhhändler, der Firma Deichmann in Essen.
Dort ist mit dem 27-jährigen Samuel Deichmann ein Vertreter der vierten Generation in die Führung des Unternehmens eingetreten.

 

Unternehmensnachfolge in Deutschland

In den kommenden beiden Jahren steht bei ca. 260.000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland die Übergabe an die Unternehmensnachfolger an. Bei kleinen und mittleren Unternehmen betrifft die Unternehmensnachfolge in der Regel nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch das Eigentum am Unternehmen. Unabhängig davon, ob die Unternehmensnachfolge familienintern erfolgt
oder nicht, ist die Bestimmung des Unternehmenswerts deshalb ein zentraler Bestandteil der Übergabe.
Eine Unternehmensbewertung ist somit im Prozess der Übertragung unerlässlich.

Gemäß dem „Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2020“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zählt das Finanzrisiko zu den am meisten wahrgenommen Schwierigkeiten bei Übernahmen und Neugründungen. Insbesondere bei Übernahmen spielt die finanzielle Belastung eine Rolle.
Können Neugründungen häufig ohne oder mit geringen Beträgen (bis 10.000,- EUR) finanziert werden, erfordern Übernahmen in ca. 23 % der Fälle ein Finanzierungsvolumen von mehr als 50.000,- EUR.
Eine Unternehmensbewertung stellt deshalb eine notwendige Voraussetzung dar, das finanzielle Risiko einer Übernahme zu bestimmen.

Allerdings haben die Folgen der Corona-Pandemie auch einen deutlichen Einfluss auf die aktuellen Nachfolgebemühungen. So haben sich laut der KfW auf der Seite www.nexxt-change.de (eine Nachfolgebörse, die von Bundesministerien, Kammern und Banken getragen wird) die Inserate im Verlauf des Jahres 2020 deutlich verringert. Auch der DIHK-Report 2020 vermeldet einen Rückgang der Beratungen im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge.

 

Wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge

Die Industrie- und Handelskammern empfehlen, spätestens drei Jahre vor der Übergabe mit der konkreten Nachfolgesuche zu beginnen. Da insbesondere betriebswirtschaftliche (strategische Ausrichtung des Unternehmens) und rechtliche (Änderung Rechtsform, Erbverträge, usw.)
Fragen zu klären sind, ist eine entsprechende Dauer des Übergabeprozesses zu erwarten.
Hierbei sind auch steuerliche Fragen u.a. im Hinblick auf erbschaftssteuerliche oder schenkungssteuerliche Auswirkungen zu beantworten.

Einen der entscheidenden Aspekte im Zusammenhang mit den Regelungen zur Unternehmensnachfolge stellt der Wert des zu übertragenden Unternehmens dar.
Meistens unterscheiden sich die Vorstellungen des Übergebers (nach jahrzehntelanger Aufbauarbeit) deutlich von den Werteinschätzungen der potentiellen Übernehmer.
Auch bei familieninternen Übergaben sind sachgerechte und  nachvollziehbare Unternehmenswerte für einen reibungslosen Übergang notwendig.

 

Unternehmensbewertung

In Deutschland orientiert sich die Bewertungspraxis an den vom Institut der Wirtschaftsprüfer herausgegebenen Bewertungsgrundsätzen gemäß IDW S 1. Hierbei wird mit Hilfe fundamentalanalytischer Wertermittlungs-
methoden auf der Grundlage der Unternehmenszahlen ein
Zukunftserfolgswert berechnet wird (bspw. mit Hilfe des Ertragswertverfahrens).
Daneben kann auch das vereinfachte Ertragswertverfahren nach § 199 Bewertungsgesetz angewendet werden. Dieses Verfahren ist für steuerliche Zwecke zur Bewertung von Einzelunternehmen, Personengesellschaften, nicht notierten Anteilen von Kapitalgesellschaften und Betriebsvermögen der freien Berufe vorgesehen.

Die durch die Corona-Pandemie verursachten Unsicherheiten betreffen bei der Unternehmensbewertung einerseits die Schätzung der zukünftigen Erträge und andererseits die Bestimmung einer sachgerechten Risikoprämie innerhalb des Kapitalisierungszinssatzes.
Siehe hierzu auch unsere Ausführungen vom 04.08.2020.

Die Bestimmung des Unternehmenswerts im Rahmen der Unternehmensnachfolge sollte objektiv, nachvollziehbar und damit belastbar erfolgen. Die Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen haben
nicht die Möglichkeit, den Wert ihres Unternehmens am Börsenkurs abzulesen.

Die MHP Michael Harz Projure GmbH bietet interessierten Unternehmern eine professionelle Unternehmensbewertung zu günstigen Konditionen an (bspw. für eine überschlägige Einschätzung des Unternehmenswerts).

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COVID-19: Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 31.12.2020

Durch das im März 2020 verkündete Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie (COVInsAG) ist es zu einer vorübergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sowie zu einer Begrenzung der Organhaftung bei einer durch die COVID-19-Pandemie bedingten Insolvenz eines Unternehmens gekommen.

Die dreiwöchige Insolvenzantragspflicht wurde zunächst vorübergehend bis zum 30.09.2020 ausgesetzt. Die Gültigkeit des COVInsAG war bzw. ist jedoch nur in dem Fall gegeben, dass die Insolvenzreife auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht und gleichzeitig Aussichten bestehen, die Zahlungsunfähigkeit zu beseitigen. Antragspflichtige Unternehmen sollten hierdurch die Gelegenheit erhalten, ein Insolvenzverfahren durch die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen sowie die Erreichung von Sanierungs- oder Finanzierungsvereinbarungen abwenden zu können.

Da die Folgen der Pandemie sowie die Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens weiter andauern, wurde entsprechend dem Vorschlag der Bundesjustizministerin Christine Lambrecht vom 10.08.2020

„Um pandemiebedingt überschuldeten Unternehmen Zeit zu geben, sich zu sanieren, werde ich vorschlagen, die Insolvenzantragspflicht für diese Unternehmen weiterhin bis Ende März 2021 auszusetzen.“

am 25.08.2020 die weitere Aussetzung der Insolvenzantragspflicht durch die Bundesregierung beschlossen. Am 18.09.2020 hat auch der Bundesrat die Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht über den 30.09.2020 hinaus gebilligt, allerdings mit folgenden Einschränkungen:

  • Die Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht erfolgt zunächst bis zum 31.12.2020 (nicht wie vorgeschlagen bis zum 31.03.2021).
  • Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht gilt nur für den Insolvenzgrund der Überschuldung. Zahlungsunfähige Unternehmen müssen ab dem 01.10.2020 wieder entsprechend der Regelungen vor März 2020 (§ 15a InsO) innerhalb von drei Wochen einen Insolvenzantrag stellen. Die bis zum 30.09.2020 geltende Regelung hatte sowohl überschuldete als auch zahlungsunfähige Unternehmen von der Antragspflicht befreit.

Entsprechend dem am 18.09.2020 seitens des Bundesministeriums für Justiz und für Verbraucherschutz vorgelegten Referentenentwurf des Gesetzes zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts (SanInsFoG) entstehen für Unternehmen voraussichtlich bereits ab Januar 2021 zusätzliche Möglichkeiten der außergerichtlichen Entschuldung und wirtschaftlichen Neuaufstellung. Die diesbezüglichen Entwicklungen werden wir weiter verfolgen und darüber berichten.

COVID-19: Unternehmensbewertung

Die Corona-Pandemie verursachte u.a. eine weltweite Talfahrt der Börsenkurse. So verlor der deutsche Aktienindex DAX zwischen dem 20. Februar und dem 18. März ca. 5.000 Punkte. Im weiteren Verlauf erholten sich die Aktienmärkte zwar wieder, doch es bleibt die Frage, welchen nachhaltigen Einfluss auf die Bewertung von Unternehmen und damit auch auf die Börsenkurse diese Pandemie hat.

In Deutschland orientiert sich die Bewertungspraxis an den vom Institut der Wirtschaftsprüfer herausgegebenen Bewertungsgrundsätzen IDW S 1. Aus diesem Grund hat sich der Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) des IDW mit einem fachlichen Hinweis zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bewertung von Unternehmen an die Bewertungspraxis gewandt.

Zunächst weist der IDW darauf hin, dass Unternehmensbewertungen nach den Grundsätzen des IDW S 1 auf fundamentalanalytischen Wertermittlungsmethoden basieren, bei denen auf der Grundlage der Unternehmenszahlen ein Zukunftserfolgswert berechnet wird (bspw. Ertragswertverfahren). Börsenkurse seien dagegen Preise für einzelne Wertpapiere, die auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage ermittelt werden.

Die durch die Corona-Pandemie verursachten Unsicherheiten betreffen bei der Unternehmensbewertung einerseits die Schätzung der zukünftigen Erträge und andererseits die Bestimmung einer sachgerechten Risikoprämie innerhalb des Kapitalisierungszinssatzes.

Hinsichtlich der (negativen) Effekte auf die Ertragslage der Unternehmen weist der FAUB darauf hin, dass diese je nach Branche und Geschäftsmodell unterschiedlich ausfallen können und dass eine Prognose zur Dauer dieser negativen Effekte aktuell noch nicht abgegeben werden kann. Darüber hinaus weist der FAUB darauf hin, dass vorübergehende Effekte auch langfristig negative Folgen haben können.

In Bezug auf die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie thematisiert der FAUB auch die sich bereits vorher im Umbruch befindliche globalisierte Welt. Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie waren traditionelle Geschäftsmodelle in Frage gestellt worden. Der FAUB geht davon aus, dass Unternehmen nach der Krise in vielen Fällen nicht mehr auf dieselbe Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen treffen werden und nicht mehr auf dieselben Beschaffungsketten zugreifen können. Aus diesem Grund sei in jedem einzelnen Bewertungsfall zu analysieren, ob und inwieweit die Geschäftspläne aus der Vor-Krisen-Zeit zugrunde gelegt werden können oder angepasst werden müssen. Gegebenenfalls sind deshalb die Unternehmensplanungen anzupassen.

Für die Bestimmung des Kapitalisierungszinses sieht der FAUB bisher keine Gründe, eine Änderung an der Methodik zur Ableitung des Kapitalisierungszinses vorzunehmen. Laut FAUB orientiert sich der Kapitalisierungszins auch in einer Krise an langfristigen Renditen in einer Größenordnung von 7 bis 9 % nach Unternehmenssteuern und vor persönlichen Steuern.

Diesen fachlichen Hinweis veröffentlichte der FAUB am 25.03.2020. Es ist davon auszugehen, dass der FAUB hinsichtlich der Auswirkungen der Corona-Pandemie weitere fachliche Hinweise veröffentlichen wird. Der FAUB ist neben der Beobachtung der weiteren Entwicklung in Bezug auf die Corona-Pandemie auch in einem weiteren Punkt gefordert: Behandlung negativer Basiszinssätze im Rahmen einer Unternehmensbewertung. Denn erstmals wurde zum 01.06.2020 ein negativer Basiszinssatz von gerundet -0,10 % berechnet. Ein negativer Basiszins bedeutet, dass bei gegebener Marktrendite die Marktrisikoprämie (zumindest rechnerisch) höher wäre als die Marktrendite. Wie diesbezüglich im Rahmen der Ermittlung von objektivierten Unternehmenswerten verfahren werden soll, sollte vom FAUB möglichst zeitnah erläutert werden.

COVID-19: Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Aktuelle Entwicklungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie:

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat eine gesetzliche Regelung zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht auf den Weg gebracht, um Unternehmen zu schützen, die infolge der Corona-Epidemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.

Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht soll gemäß Erklärung der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Christine Lambrecht, in Bedrängnis geratenen Unternehmen die nötige Luft geben, um staatliche Hilfen zu beantragen und Sanierungsbemühungen voranzutreiben.

Die Vorschriften gelten rückwirkend zum 1. März 2020. Dies soll verhindern, dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für einige Unternehmen, die von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie betroffen sind, bereits zu spät kommt.

Das Gesetz sieht im Bereich des Insolvenzrechts fünf Maßnahmen vor:

  1. Die haftungsbewehrte und teilweise auch strafbewehrte dreiwöchige Insolvenzantragspflicht wird vorübergehend bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Dies gilt nur für Fälle, in denen die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht. Zudem soll erforderlich sein, dass Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit bestehen. Antragspflichtige Unternehmen sollen die Gelegenheit erhalten, ein Insolvenzverfahren durch Inanspruchnahme staatlicher Hilfen, gegebenenfalls aber auch im Zuge von Sanierungs- oder Finanzierungsvereinbarungen, abzuwenden.
  2. Geschäftsleiter haften während der Aussetzung der Insolvenzantragspflichten nur eingeschränkt für Zahlungen, die sie nach Eintritt der Insolvenzreife des Unternehmens vornehmen.
  3. Während der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht an von der COVID-19-Pandemie betroffene Unternehmen gewährte neue Kredite sind nicht als sittenwidriger Beitrag zur Insolvenzverschleppung anzusehen.
  4. Während der Aussetzung erfolgende Leistungen an Vertragspartner sind nur eingeschränkt anfechtbar.
  5. Die Möglichkeit von Gläubigern, durch Insolvenzanträge Insolvenzverfahren zu erzwingen, werden für drei Monate eingeschränkt.“

(Quelle: Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz (2020). Onlinequelle. Insolvenzantragspflicht wird ausgesetzt. Erreichbar unter https://www.bmjv.de/DE/Themen/FokusThemen/Corona/Insolvenzantrag/Corona_Insolvenzantrag_node.html)

Insbesondere die unter Punkt 1. genannten Voraussetzungen, dass die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht und Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit bestehen, erfordern entsprechende Nachweise.

Wir empfehlen den betroffenen Unternehmen nachvollziehbar zu dokumentieren, wie es zu der Unternehmenskrise kam und wie sich die Lage des Unternehmens vor Eintritt der Krise darstellte. Ebenso sollten Planungsrechnungen erstellt werden, aus denen sich Aussichten für eine Beseitigung der Krise ergeben.